Die Teilzeit-Ausbildung und ihre Vorteile

©Mimi Thian/Unsplash

Kinder, pflegebedürftige Angehörige, körperliche Einschränkungen – es gibt viele Gründe, die eine Ausbildung erschweren können. Seit dem Jahr 2005 steht dieser Weg allen offen, die eine Ausbildung mit familiären Verpflichtungen vereinbaren, aber trotzdem erfolgreich an einer dualen Ausbildung teilnehmen wollen. Seit Januar 2020 kann jeder Teilzeit-Azubi werden. Und das Beste: Den vollwertigen Abschluss hat man trotzdem in der Tasche! Gesetzlich geregelt ist die Teilzeitausbildung in §7a BBiG. Diese Möglichkeit besteht für alle angehenden Azubis, so lange der Ausbildungsbetrieb einverstanden ist und ein Antrag (Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Landwirtschaftskammer o.a.) eingereicht wurde. Laut des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) profitieren von einer geringeren Ausbildungsvergütung vor allem Klein- und Kleinstunternehmen, die geringere finanzielle Kapazitäten haben. Die Teilzeitausbildung ermöglicht es ihnen, in die Ausbildung einzusteigen.

Die Familienfreundlichkeit rückt in Unternehmen immer mehr in den Vordergrund. Oft ist auch ein Umstieg von einer Ausbildung in Voll- und Teilzeit möglich. Wer beispielsweise seine Ausbildung unterbrechen musste, kann in Teilzeit wieder einsteigen.

Eine Ausbildung in Teilzeit verkürzt ausschließlich die betriebliche Ausbildungszeit, nicht die Zeit an der Berufsschule. Der Berufsschulunterricht und überbetriebliche Lehrgänge erfolgen in der Regel in Vollzeit – es sei denn es kommen zukünftig tatsächlich immer mehr E-Learning-Module zum Einsatz.

Individuell ist es möglich, die betriebliche Arbeitszeit täglich oder wöchentlich zu reduzieren. So könnte man seine Ausbildung pro Arbeitstag statt in acht in nur vier Stunden leisten oder statt einer Fünf-Tage-Woche nur eine 2,5-Tage-Woche wählen. Zu beachten ist dabei nur, dass die Reduzierung der Zeit über 50 Prozent nicht überstiegen werden darf. Je nachdem, wie viele Arbeitsstunden vereinbart werden, so verlängert sich die Gesamtdauer der Ausbildung. Zum Beispiel: Wer mindestens 20 Stunden pro Woche im Betrieb und in der Berufsschule verbringt, bei dem verlängert sich die Ausbildungsdauer um ca. ein halbes Jahr. Eine Ausbildung in Teilzeit darf 1,5 Mal so viel Zeit in Anspruch nehmen wie die Vollzeitausbildung. Sprich, ein Azubi in Teilzeit muss seinen Abschluss spätestens nach 4,5 Jahren (bei einer dreijährigen Ausbildung) absolvieren. Wer mindestens 25 Stunden pro Woche im Betrieb oder in der Berufsschule verbringt, für den verlängert sich die Ausbildung in der Regel nicht.

Für Azubis in Vollzeit ist seit 2020 eine gesetzliche Mindestvergütung von monatlich 515 Euro festgelegt. Bei einer Teilzeitausbildung verringert der Betrieb die Vergütung anteilig. Daher kann es zu einer Unterschreitung der Mindestvergütung kommen, was aber zulässig ist. Zur finanziellen Entlastung können Azubis bei der Agentur für Arbeit zusätzliche Leistungen beantragen. Dazu gehören beispielsweise Berufsausbildungsbeihilfe, Kindergeld für sich und/oder das eigene Kind, Wohngeld, Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld.

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