Berliner Schüler in der Glaser-Innung

Schülerinnen bearbeiten Glas
Schülerinnen der Galilei-Grundschule in Kreuzberg mit Ausbilder Alexander Jost, Foto: Berliner Schulpate

Ein Beruf mit Durchblick - Berliner Grundschüler/innen entdecken das Glaser-Handwerk

Den richtigen Durchblick in Sachen Beruf im Handwerk haben jetzt die Schülerinnen und Schüler der Galilei-Grundschule aus Kreuzberg. Mit dem Projekt Berliner Schulpate waren die Kinder in der Glaser-Innung Berlin zu Besuch und haben dort nicht nur alles Wissenswerte über den Beruf des Glasers erfahren, sondern konnten sich selbst in der Glasbearbeitung ausprobieren.
„Ansetzen und dann mit leichtem Druck gerade über das Spiegelglas ziehen“, erklärt Alexander Jost und fährt mit dem Glasschneider über den Spiegel. Achtzehn Augenpaare schauen dem Glasergesellen konzentriert dabei zu. „Und jetzt mit gezieltem Druck durchbrechen. Glas wird nämlich nicht geschnitten, sondern gebrochen. Wir schneiden eigentlich nur die Oberfläche.“ Mit einem leichten „klack“ bricht der Spiegel sauber an der zuvor abgemessenen Stelle. „Und jetzt ihr.“ Jost wendet sich den Jungen und Mädchen zu, die erwartungsvoll um den Arbeitstisch herumstehen. Nacheinander kommen die Schülerinnen und Schüler nach vorne und schneiden ihre Spiegelstücke zurecht, die sie später noch veredeln werden.

Alexander Jost ist bei der Glaser-Innung Berlin als Berufspate in Aktion. Im Rahmen des Programms „Abenteuer Beruf“ des Berliner Schulpaten zeigt er den Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a aus der Galilei-Grundschule seinen Beruf als Glaser. „Ich finde es sinnvoll und wichtig, Kindern schon in der Grundschule einen Einblick in die verschiedenen Berufsmöglichkeiten zu geben. Ich kam selbst erst spät zu meinem Traumberuf im Handwerk“, erzählt Jost. „Hätte ich mehr Informationen und Möglichkeiten zum Ausprobieren gehabt, wäre das womöglich anders gewesen.“

Die Zusammenarbeit der Glaser-Innung mit Berliner Schulpate ist noch jung. Zum Start der Kooperation im Schuljahr 2018/19 hat die Innung drei Schulklassen für jeweils einen Praxisworkshop zu sich eingeladen. Bei den einzelnen Arbeitsschritten erfahren die Kinder direkt, worauf es im Beruf des Glasers ankommt: handwerkliches Geschick, mathematisches Verständnis und ein Sinn für Formen, Farbe und Gestaltung.

Selbermachen motiviert und weckt Interesse

Das praktische Ausprobieren spielt bei „Abenteuer Beruf“ eine zentrale Rolle: Bei den Betriebsbesichtigungen, die einer von zwei zentralen Bausteinen des Programms sind, ist in der Regel immer ein Praxisteil integriert. So bekommen die Schülerinnen und Schüler nicht nur einen konkreten Eindruck von den Tätigkeiten in den jeweiligen Berufen, sondern erleben diese unmittelbar selbst. Auch im zweiten Baustein – der Berufe-Stunde – lernen Kinder Berufe aus erster Hand kennen und gehen aktiv mit den Berufspraktikern ins Gespräch. Diese stehen als Berufspaten den Schülerinnen und Schüler Rede und Antwort zu Fragen rund um ihre Arbeit und Ausbildung und eröffnen somit neue Perspektiven. Martina Sattelmaier, Lehrerin an der Galilei-Grundschule ist von diesem Format sehr angetan: „Es ist immer wieder eine sehr gute Erfahrung, Lernerfahrungen in die Hände von Menschen zu geben, die viel praktische Erfahrung haben und oft ganz eigene Wege gehen, um sie zu vermitteln.“

Auch bei dem dreistündigen Besuch in der Glaser-Innung nimmt die Praxis den größten Raum ein: Mit ein bisschen Übung und Unterstützung vom Profi haben alle Kinder ihre Spiegel in exakt zehn mal zehn Zentimeter große Quadrate zurechtgeschnitten. Nun werden diese gereinigt und die Kanten mit nassen Steinen glattgeschliffen. Dann geht es zum kreativen Teil der Arbeit - der Spiegelveredelung: Jedes Kind wählt eine Motivschablone für seinen Spiegel aus. Mittels Sandstrahlung wird das Motiv dann auf dem Spiegel verewigt. Ein angeregtes Aussuchen beginnt – Fußballer, Herz, Adler oder doch lieber den Berliner Bären? „Auf jeden Fall ein Herz. Das schenk‘ ich dann meiner Mama“, entscheiden einige Kinder voller Stolz über ihren selbstgestalteten Spiegel. Für die Bearbeitung mit dem Sandstrahl dürfen die Schülerinnen und Schüler dann nacheinander mit Hilfe von Alexander Jost sogar selbst die Maschine bedienen. „Es ist spannend zu sehen, mit wie viel Interesse und Begeisterung die Kinder bei der Sache sind“, freut sich Imo Tscheche, Ausbildungsleiter bei der Glaser-Innung Berlin. „An diese Begeisterung müssen wir anknüpfen, um konkrete Berufswünsche im Handwerk zu wecken. Bei uns Glasern ist der Bedarf an Nachwuchskräften nach wie vor hoch und wird es bleiben. Glas ist in der modernen Architektur ein unverzichtbares Bauelement und es kommen ständig Innovationen, bei denen Glas als Werkstoff zum Einsatz kommt.“

Frühzeitige Förderung der zukünftigen Nachwuchskräfte

Dass ein möglichst frühzeitiges Reinschnuppern in die Berufswelt der beste Weg zur langfristigen Nachwuchsgewinnung ist, davon ist Arne Lingott, Geschäftsführer bei Berliner Schulpate, überzeugt: „Gerade im Bereich Handwerk sind Kooperationen mit Innungen und Betrieben, die praxisnahe Berührungspunkte mit einem Beruf schaffen, sehr wichtig. Denn in der Schule kommen die Kinder kaum noch mit praktischem Arbeiten in Berührung. So kann sich kein Interesse für einen handwerklichen Beruf herausbilden, und so manch schlummerndes Talent bleibt unentdeckt.“   
Die Nachfrage nach Kooperationspartnern aus dem Handwerk ist von Seiten der Grundschulen groß. Berliner Schulpate ist deshalb fortlaufend auf der Suche nach Innungen und Betrieben, die sich für Berliner Grundschulen engagieren möchten, um Kindern neue Perspektiven aufzuzeigen und sie zu Berufswünschen zu inspirieren.
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Über Berliner Schulpate gemeinnützige GmbH
Die gemeinnützige Initiative Berliner Schulpate verfolgt das Ziel, mit Hilfe der Berliner Wirtschaft und engagierter Bürger/innen, Grundschulkindern das aktive Kennenlernen von Berufen zu ermöglichen. Die Initiative richtet sich an Grundschulen in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf. Im Rahmen des eigens entwickelten Programms „Abenteuer Beruf“ bekommen Kinder praxisnahe Einblicke in Berufe, indem sie Berufsvorbildern begegnen und Arbeitswelten erkunden. Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, eigene Interessen zu erforschen, neue Perspektiven kennenzulernen und Zukunftsträume zu entwickeln. Berliner Schulpate ging Ende 2012 als Pilotprojekt der Handwerkskammer Berlin an den Start und ist heute als gemeinnützige GmbH ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft. Berliner Schulpate wird von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gefördert sowie von der GASAG und der Berliner Volksbank eG finanziell unterstützt.


Schülergruppe um Glas
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