WHdI richtet sich an den Bürgermeister

Heute, am 3.2.2021, haben wir, der Berliner Verein "Wenn Handwerk - dann Innung" (WHdI), uns an den Regierenden Bürgermeister gewandt, um unsere Einschätzung über die Situation im Berliner Handwerk darzulegen und einige Vorschläge zu unterbreiten, die aus unserer Sicht den besonders betroffenen Unternehmen helfen können. Lesen Sie hier das offizielle Schreiben des WHdI-Vorsitzenden Jörg Paschedag:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Müller,

unser Verein Wenn Handwerk - dann Innung e.V. ist ein Zusammenschluss von mittlerweile 23 Berliner Handwerksinnungen aus den unterschiedlichsten Gewerken. In einigen Bereichen sind unsere Mitgliedsbetriebe bisher recht gut durch die Pandemie gekommen, da es kaum Einschränkungen in den Tätigkeitsfeldern gab. Dafür hat es andere Branchen umso härter getroffen.

An allererster Stelle ist das Friseurhandwerk zu nennen. Die rund 80.000 Salons in Deutschland sind seit dem 16. Dezember 2020 im zweiten Lockdown geschlossen. Viele Familienbetriebe können die damit verbundenen Umsatzverluste nicht mehr überbrücken, sie stehen vor dem existenziellen Aus. Dies gilt gleichsam auch für die etwa 2.500 Berliner Friseurbetriebe.

Leider lässt sich auch nicht verleugnen, dass viele Mitarbeitende aus den Betrieben, wohl auch einige Inhaberinnen und Inhaber, ihre Kunden aktuell “privat bedienen”, um nicht das böse Wort Schwarzarbeit zu nutzen. Ob hierbei die hohen hygienischen Standards, die die Friseursalons in der Zeit entwickelt und praktiziert haben, eingehalten werden, ist eher nicht zu erwarten. Auch ist faktisch nicht nachzuvollziehen, wer wann welche Kontakte hatte, anders als bei seriös geführten Salons. Dem Ziel, die Kontakte einzudämmen und vor allem auch nachvollziehbar zu machen, wurde hier ein Bärendienst erwiesen.

Hinzu kommt, dass die Ausbildung im Friseurhandwerk momentan betrieblich nur unter sehr schweren Bedingungen und überbetrieblich überhaupt nicht stattfindet. Über die Situation an den berufsbildenden Schulen muss kaum gesprochen werden. Es ist leider mit einem Abbruch vieler Lehrverhältnisse zu rechnen und zukünftig wird es das Friseurhandwerk noch schwerer als jetzt schon haben, geeigneten Nachwuchs zu finden.

Wir schließen uns den vehementen Forderungen der Branche, die Salons spätestens zum 15. Februar 2021 mit entsprechenden abgestimmten Hygieneregeln wieder öffnen zu lassen an, und bitten Sie, sich in den relevanten Runden dafür einzusetzen.

Nicht unmittelbar wie die Friseure, aber doch mittelbar ist auch das Handwerk der Textilreiniger betroffen. Die angeordnete Schließung der Gastronomie und die radikale Einschränkung im Bereich der Hotellerie ist für die Textilreiniger ein sehr großes Problem. Auch das Privatkundengeschäft ist erkennbar eingebrochen, da beispielsweise private Feiern nicht stattfinden dürfen.

Auch die Unternehmen der Lebensmittelhandwerke sind von der Pandemie stark getroffen, weil einerseits Café- und Imbissbetrieb nicht bzw. nur deutlich eingeschränkt möglich ist und andererseits Hotel und Gastronomie als Nachfrager weitestgehend wegfallen.

Alle von den Folgen der Pandemie betroffenen Betriebe, im Handwerk ebenso wie in anderen Bereichen, teilen ein Riesenproblem: Die großzügig insbesondere vom Bund zugesagten Überbrückungshilfen aus den verschiedenen Programmen fließen nicht, nur zögerlich oder leider auch oft zu spät.

Hinzu kommt, dass die Hilfen keine Unterhaltsbezuschussung für die Eigenleistungen der Inhaberinnen und Inhaber vorsehen. Es werden lediglich Fixkosten berücksichtigt. Für die Unternehmerinnen und Unternehmer in den Handwerksbetrieben gibt es weder Kurzarbeitergeld noch sonstige Hilfen. Diese Förderlücke muss geschlossen werden.

Der Vorschlag, dass das Land Berlin im Wege einer Vorfinanzierung an den besonders betroffenen Stellen, wir denken auch hier aus unserem Bereich in erster Linie an das Friseurhandwerk, aushilft, findet unsere besondere Beachtung.

Abschließend möchte ich Ihnen herzlich für Ihren Vorschlag, den Sie gegenüber Herrn Feix geäußert haben, noch einen letzten Termin für ein gemeinsames Frühstück mit Ihnen als Regierenden Bürgermeister finden zu wollen, danken. Wir fühlen uns ausdrücklich wertgeschätzt und hoffen, dass der Termin auch unter Pandemiebedingungen noch zustande kommt. Ihrem Terminvorschlag sehen wir mit großer Freude entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Paschedag Vorsitzender

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