Mit der richtigen Rechnung Gewerbesteuer sparen

Quelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Jens Liebchen

Für eine Vielzahl von Messen in der ersten Jahreshälfte 2020 haben die Veranstalter in Abstimmung mit der ausstellenden Wirtschaft Terminverschiebungen in den Herbst 2020 oder in das Jahr 2021 beschlossen. Einige Messen mit Jahresturnus werden in diesem Jahr nicht stattfinden, sondern erst wieder zum nächsten regulären Termin im Jahr 2021.

Nimmt Ihr Betrieb regelmäßig als Aussteller auf Messen teil? Stellen Sie sich auf kritische Fragen bei einer Betriebsprüfung ein, denn: Prüfer der Finanzämter rechnen Mietaufwendungen für den Messestand anteilig dem Gewerbeertrag hinzu. Ein Urteil bestätigt diese Auffassung. Liest man die Urteilsbegründung jedoch zwischen den Zeilen, kann mit der richtigen Rechnung des Messebetreibers Gewerbesteuer gespart werden.

Neben Zinsen und Lizenzen rechnet das Finanzamt bei Ermittlung des Gewerbeertrags zur Gewerbesteuer anteilig Mieten für bewegliche und unbewegliche Gegenstände hinzu. Die Mieten für bewegliche Gegenstände werden zu 20 Prozent dem Gewerbeertrag hinzugerechnet (§ 8 Nr. 1d GewStG).  Bei Mieten für unbewegliche Wirtschaftsgüter beträgt die Hinzurechnung zum Gewerbeertrag 50 Prozent (§ 8 Nr. 1e GewStG).

In einem Urteil aus dem Jahr 2018, das erst unlängst veröffentlicht wurde, stellt das Niedersächsische Finanzgericht klar, dass auch die Miete für einen Messestand dem Gewerbeertrag anteilig hinzugerechnet werden muss (Urteil v. 6.12.2018, Az. 10 K 188/17).

Das Urteil enthält in der Begründung Tipps, wie man den Hinzurechnungsbetrag gezielt klein halten kann. Denn die Richter urteilten, dass nur die echten Mietkosten für den Messestand hinzuzurechnen sind. Nicht hinzuzurechnen sind dagegen die an den Messebetreiber bezahlten Umlagen für die Bewirtung, für Strom, für Marketingservice, für eine Medienpauschale, für Registrierungskosten, für Versicherung, für einen Messebeitrag oder für Wachpersonal.

Bestehen Sie also darauf, dass Ihnen der Messebetreiber eine sehr kleinteilig aufgeschlüsselte Rechnung ausstellt. Nur die reinen Mietkosten für den Messestand sind bei Ermittlung des Gewerbeertrags anteilig hinzuzurechnen. Unterschieden wird zwischen der Miete für den zur Verfügung gestellten Stand (= beweglich; Zurechnung 20 Prozent) und der Miete für die Fläche (= unbeweglich; Zurechnung 50 Prozent).

Ob die Hinzurechnung der Miete für einen Messestand bei Ermittlung des Gewerbeertrags überhaupt rechtens ist, muss in einem anderen Fall übrigens der Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren klären (BFH, Az. III R 15/19). Führt die Hinzurechnung zu einer gewerbesteuerlichen Mehrbelastung, empfiehlt es sich, Einspruch gegen nachteilige Messbescheide des Finanzamts einzulegen und mit Hinweis auf das Revisionsverfahren ein Antrag auf Ruhen des Einspruchsverfahrens. Dann heißt es abwarten, wie der Bundesfinanzhof entscheidet.

Sollte das Finanzamt in Ihrem Fall für die Miete eines Messestands auf eine Hinzurechnung pochen, lohnt sich nur Gegenwehr, wenn Sie dadurch steuerlich wirklich belastet sind. Denn das Finanzamt zählt zuerst einmal alle anteiligen Hinzurechnungsbeträge (Zinsen, Lizenzen, Mieten) zusammen und zieht von dieser Summe einen Freibetrag von 100.000 Euro ab. Vom verbleibenden Betrag werden wiederum nur 25 Prozent dem Gewerbeertrag hinzuregerechnet. Das bedeutet im Klartext: Liegt die Summe der anteiligen Hinzurechnungen in einem Jahr unter dem Freibetrag von 100.000 Euro, wirken sich die Zurechnungen nicht gewerbesteuererhöhend auf Ihr Unternehmen aus.

Quelle: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de

Zurück zur Übersicht